Ich dachte früher irgendwie, neue Freunde müssten irgendwann automatisch Teil derselben Gruppe werden.
Inzwischen finde ich es völlig normal, mit verschiedenen Menschen verschiedene Dinge zu teilen.
Ein Freund fürs Wandern, jemand für lange Gespräche, jemand zum spontanen Kaffee – nicht jede gute Verbindung braucht einen gemeinsamen Gruppenchat.
Am Anfang würde ich ohne Problem öfter derjenige sein, der einen Kaffee oder eine Aktivität vorschlägt. Wenn nach fünf Treffen aber jede Nachricht, jeder Termin und jeder neue Plan ausschließlich von mir kommt, würde ich irgendwann weniger investieren. Freundschaften brauchen nicht exakt fünfzig-fünfzig Initiative, aber irgendeine Form von Rückweg hilft.
Ein abgesagter Kaffee sagt wenig darüber aus, ob jemand Interesse an einer Freundschaft hat. Arbeit, Krankheit und volle Wochen existieren. Interessanter wird, was danach passiert: „Diese Woche klappt nicht, aber wie sieht Dienstag aus?“ hält eine Verbindung deutlich besser am Leben als ein ewiges „müssen wir unbedingt mal machen“.
Neue Freunde finden wird deutlich schwieriger, wenn alle darauf warten, dass irgendein anderer Mensch etwas organisiert.
„Samstag Kaffee?“ braucht keine Doodle-Umfrage und kein perfektes Event.
Manchmal muss jemand einfach den ersten kleinen Plan in den Raum stellen.
Mit 30 trifft man häufiger auf Menschen, die schon Freunde seit Schule, Studium oder Ausbildung haben.
Als neuer Kontakt kommt man nicht automatisch nach drei Treffen auf dieselbe Ebene wie jemand, der seit zwölf Jahren dazugehört. Das muss keine Ablehnung sein. Manche Nähe braucht einfach Wiederholungen.
Ein richtig guter Abend mit neuen Leuten ist schön.
Freundschaft entsteht wahrscheinlich eher daraus, dass man zwei Wochen später wiederkommt. Und danach noch einmal.
Mit 30 fehlt oft nicht die Gelegenheit, jemanden sympathisch zu finden. Es fehlen die zwanzig unspektakulären Wiederholungen danach.
Der unterschätzte Vorteil von Kursen, Vereinen und festen Gruppen ist gar nicht, dass dort automatisch tolle Leute sitzen. Man sieht dieselben Menschen nächste Woche wieder.
Ein Gespräch muss beim ersten Mal nichts leisten, wenn es einen zweiten Versuch gibt.
Nähe entsteht manchmal aus ziemlich kleinen Fortsetzungen. „Wie lief eigentlich dein Vorstellungsgespräch?“ oder „Ist deine Schwester inzwischen umgezogen?“ zeigt, dass das letzte Gespräch nicht einfach nach Hause verschwunden ist. Freundschaft wächst nicht nur durch neue Geschichten, sondern auch dadurch, dass alte nicht jedes Mal wieder bei null beginnen.
Bei neuen Freunden wäre mir inzwischen weniger wichtig, ob jemand exakt in meinem Alter ist.
Interessanter finde ich, ob der Alltag ungefähr zusammenpasst.
Jemand mit 36 kann zeitlich und vom Lebensstil viel näher an mir sein als jemand mit 30, dessen Woche komplett anders aussieht.
Ich habe irgendwann aufgehört zu warten, bis aus einem netten Gespräch von selbst Freundschaft wird.
Wenn ich jemanden sympathisch finde, schreibe ich inzwischen manchmal einfach danach: „War nett, wollen wir nächste Woche einen Kaffee trinken?“
Fühlt sich beim Abschicken immer noch ein bisschen komisch an.
Hat bisher aber besser funktioniert als darauf zu hoffen, dass man sich zufällig noch fünfmal über den Weg läuft.
Anmelden, um einen Eintrag zu schreiben.